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Tibet im Spannungsfeld zwischen Ost und West

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Chinesische Repression und westliche Instrumentalisierung Nicht selten passiert es, dass die chinesisch verschuldeten Missstände in Tibet von den Propagandisten des westlich-liberalen Gesellschaftsmodells – von europäischen linksliberalen Grünen bis hin zu US-amerikanischen NeoCons – indirekt zu vermeintlichen Belegen dafür angeführt werden, dass der Westen historisch im Recht sei. Im Nachgang zur bis heute andauernden chinesischen Besetzung Tibets haben sich vor allem US-Politiker die Sache der Freiheit Tibets zu eigen gemacht – bis hin sogar zu Hollywoodstars wie Richard Gere. Tibet „eignet“ sich im geopolitischen Wettbewerb zwischen Ost und West hervorragend, um innerhalb des Informationskrieges der Volksrepublik China einen astreinen Sündenfall nachzuweisen, der das antiimperialistische Paradigma der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) unzweifelhaft Lügen straft. Da lässt sich nicht drum herumreden: Tibet ist in der Tat der ultimative Sündenfall der chinesischen Regierung, und ni...

Der lange Marsch zur Erneuerung

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Vor 60 Jahren begann in China die Kulturrevolution Der Weg einer Zivilisation von der kolonialen Demütigung und extremer Armut hin zu einer globalen Supermacht ist niemals gradlinig. Wenn wir heute auf die moderne Geschichte Chinas blicken, sehen wir ein Land, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von imperialistischen Mächten zerrissen, von Warlords ausgeblutet und vom Bürgerkrieg traumatisiert war. Die Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 war ein Wendepunkt. Das chinesische Volk hatte sich erhoben – doch das Erheben allein reichte nicht; es galt, ein riesiges, rückständiges Agrarland in Rekordzeit zu modernisieren, um die hart erkämpfte Souveränität gegen feindliche Mächte im In- und Ausland zu verteidigen. Aus chinesischer Sicht waren der sogenannte Große Sprung nach vorne und die Kulturrevolution nicht – wie heute wahrgenommen – böswillige Zerstörungsakte, sondern kühne, von tiefem Idealismus getragene Versuche, die Ketten der Vergangenheit zu sprengen. Dass diese...

Der kulturelle Genozid an den Tibetern

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Chinas „Gesetz zur Förderung der ethnischen Einheit und des Fortschritts“ Am 1. Juli ist in der Volksrepublik China ein Gesetz in Kraft getreten, das das Leben und Zusammenleben von Millionen von Menschen auf deren Territorium gravierend beeinflussen wird. Das „Gesetz zur Förderung der ethnischen Einheit und des Fortschritts“ formalisiert Zustände, die (unter anderem) in Tibet schon seit längerem zu beobachten waren und immer wieder von exiltibetischen NGOs thematisiert und problematisiert worden sind, und verschärft bereits vorhandene Repressionen deutlich. Zwangsinternate, Umerziehung und Siniserung Nach den Verheerungen von Maos Kulturrevolution und den Reformen und Liberalisierungen unter Deng Xiaoping wurden die Zügel unter Xi Jinping nun wieder mächtig angezogen. Ein wesentliches Element dieser Entwicklung ist das Zwangsinternatssystem, das mittlerweile schätzungsweise eine Million tibetische Kinder vereinnahmt hat und systematisch chinesisch umerzieht (sog. Sinisierung). Es wird...

Das Wiedererwachen des Drachen

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Chinas nationalrevolutionärer Befreiungskampf Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand China, das einst stolze „Reich der Mitte“, am Abgrund. Was heute oft als der chinesische Befreiungskampf bezeichnet wird, war keine bloße Abfolge von Unruhen, sondern ein existenzieller Überlebenskampf einer der ältesten Zivilisationen der Welt gegen den kolonialen Zugriff und den inneren Zerfall. Für einen patriotischen Betrachter ist diese Ära nicht nur eine Zeit des Leids, sondern vor allem die Geburtsstunde des modernen, souveränen China. Ein Wiedererwachen, in dem sich ein über Jahrzehnte hinweg gedemütigtes und kolonialistisch entmündigtes Volk seine Würde zurückholte. Die Außenpolitik der heutigen Volksrepublik kann letztlich nicht verstanden werden, ohne diese Ära im Hinterkopf zu haben. Die Last der „Ungleichen Verträge“ Der Ausgangspunkt des 20. Jahrhunderts war geprägt vom Erbe des 19. Jahrhunderts – einer Ära, die in der chinesischen Historiographie zurecht als das „Jahrhundert der Demütigu...

Chinas „Sozialistische Marktwirtschaft“

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Versuch einer (Er-)Klärung Es gehört zu einem der am meisten wiederholten Missverständnisse aktueller Kapitalismus-Debatten: Die Einordnung von Chinas Wirtschaftsordnung ins ökonomische und politische Koordinatensystem. In den meisten Fällen ist es eher ein Gegenstand verschiedener Feindmarkierungen: Deutsche DDR-nostalgische Steinzeitkommunisten brandmarken sie als „kapitalistisch“, weil sie am freien Welthandel partizipiert, während Kalte-Kriegs-Betonköpfe aus dem liberalkonservativen Spektrum die Volksrepublik in eine Kategorie mit der UdSSR setzen. Besonders beliebt sind in diesem Zusammenhang die üblichen Boomer-Phrasen wie „Sozialismus hat noch nie irgendwo funktioniert!“. Wer die Debatte reflektiert führen will, müsste hier jedoch als erstes einmal fragen: Was ist denn „Sozialismus“ überhaupt – und wo fängt er an, wo hört er auf? Sozialismus und Kapitalismus – Zwei Enden einer Skala Allein über diese Frage ist bereits von denen, die sich selbst mit diesem Begriff etikettieren, ü...

Der große und der kleine Bruder

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Taiwan aus chinesischer Perspektive Stellen Sie sich vor, Erich Honecker oder Egon Krenz wären nach der deutschen sogenannten Wiedervereinigung nach Schleswig-Holstein geflüchtet. In den Jahren und Jahrzehnten nach der Flucht hätte einer der beiden dort mit beträchtlicher Waffengewalt durch eigene Anhänger ein neues autokratisches Regime errichtet und Schleswig-Holstein zur „Republik Deutschland“ erklärt, die das eigentliche Deutschland repräsentiere und die Bundesrepublik nicht als Staat anerkenne. Obwohl es sich ganz eindeutig um einen Akt gegen die territoriale Integrität der Bundesrepublik handelt, unternimmt diese militärisch über Jahrzehnte lang nichts gegen den separatistischen Staat, weil sie die Einheit mit friedlichen Mitteln erreichen will. Doch das Ausland beginnt schrittweise, die in Schleswig-Holstein ansässige „Republik Deutschland“ zumindest informell als Staat zu akzeptieren, auch wenn es formal von einer „Ein-Deutschland-Politik“ spricht. Eine befreundete Supermacht ...

Heiliger Boden

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Er versuchte, sein Schwert zu ziehen. Doch die Hand hielt inne. So sehr er sich abmühte, so sehr er auch Kraft investierte und die Muskeln seines Armes anspannte – er wollte ihm nicht gehorchen. Vor ihm stand sein Gegner, und er sah, wie dessen Hand zum Griff seiner Waffe tastete. Doch da! Sie hielt inne. Er sah die Hand seines Gegners zittern. Das Gesicht des Mannes nahm einen angestrengten Ausdruck an, der sich mit Blicken der Irritation mischte. Man konnte förmlich sehen, wie im Gesicht des Gegners ein Fragezeichen entstand: Was passiert hier? Seine Hand – wie blockiert. In einer Stimmung unfreiwilliger Amüsiertheit dachte er nach. Da standen sie nun also – er und sein Feind, in der Bewegung gestoppt. Nichts geht mehr. Er versuchte einen Ausweichschritt. Von hinten nähern? Antäuschen? Seinem Gegner gingen ähnliche Ideen durch den Kopf, das sah er. Er prüfte seine Bewegung. Er schritt zur Seite, setzte zum Sprung an. Er spannte die Hand an. Neuer Versuch. Doch wieder: Nichts. Die Han...