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Systemtheorie II: Operative Geschlossenheit, Autopoiesis, Selbstreferenz, Codierung

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Die entscheidende Unterscheidung der Systemtheorie hinsichtlich der Beobachtung der sozialen Welt ist die Unterscheidung von System und Umwelt. „Umwelt“ – als in diesem Falle soziologischer, also nicht auf Ökologie abstellender Terminus – bezeichnet dabei letztlich alles Soziale, das nicht das System ist. Erst durch diese Differenz wird das System sichtbar: „Diese Unterscheidung ist die Differenz, die ein System konstituiert. (…) Der für uns (…) wichtige Punkt besteht darin, dass das System sich mit eigenen Operationen Grenzen zieht, sich von der Umwelt unterscheidet und nur dann und nur so als System beobachtet werden kann“ (Luhmann 2004: 92). Diese letztlich nicht nur soziologische, sondern philosophische Prämisse konstruktivistischen Denkens gilt es stets mit zu bedenken, wenn der Systembegriff Luhmanns im Mittelpunkt steht: Die Beobachtung des Systems durch den Wissenschaftler oder sonstigen Außenstehenden ebenso wie die Beobachtung durch das System selbst sind stets als Vorgänge...

BGE: Unsozial und wider die menschliche Natur

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Die Tücken des Bedingungslosen Grundeinkommens Eine der größten, nicht immer präsentesten, aber dennoch grundlegendsten Streitfragen des linken Spektrums ist die Frage nach dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). Seine Befürworter, nicht selten aus dem eher grünen und links- bis schlicht neoliberalen – und weniger aus dem orthodox-linken – Milieu kommend, argumentieren dabei gerne von einem humanitären und zugleich utopistischen Standpunkt aus, demzufolge eine Gesellschaft den Zwang zur Arbeit grundsätzlich ablegen müsse, um echte Humanität zu erreichen. Damit einher geht letztlich die – erstaunliche – Prämisse, dass Arbeit über ihre verbindliche Natur etwas Inhumanes an sich habe. Deutlich wird hierbei, an welchen Stellen die Postmoderne die politische Linke erreicht hat: Der Drang nach Abschaffung von Verbindlichkeiten macht auch vor der Arbeit als solcher nicht halt. Wie zutiefst unsozial diese Prämisse im Kern ist, scheint dabei, abermals erstaunlicherweise, kontinuierlich ausge...

Die Lebensenergie Chi als Manifestation des All-Einen

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Unitarisches Denken und taoistische Konzepte Das aus dem chinesischen Taoismus stammende Konzept des Chi (modern: Qi) ist vielen insbesondere aus Kampfkunst-Disziplinen wie Tai Chi oder Shaolin Kung Fu sowie aus dem Chi Kung (Qi Gong), einem Konzept der Bewegungsmeditation und zugleich einem Vorläufer von Tai Chi, bekannt. In vielen spektakulären Auftritten von Kampfsportlern wurde die Macht des Chi etwa dadurch präsentiert, dass diese vor laufenden Kameras Holzblöcke oder Backsteine zerschlugen. Zugleich ist Chi eine Art Grundkonzept der traditionellen chinesischen Medizin, auf dem auch die oben genannten Disziplinen basieren (weswegen sie mehr sind als lediglich „Kampfkünste“ – vielmehr sind sie auch physische und mentale sowie spirituelle Fitnessprogramme, teils sanft und für jedes Alter nutzbar, teils auch härter und fordernder). Yin und Yang im Taoismus Nach taoistischer Vorstellung ist alles Lebende von jenem Chi, der Lebensenergie, durchdrungen. Diese kann dabei nicht durch we...

Systemtheorie I: Funktionale Differenzierung

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Kennzeichnend für die makrosoziologische Systemtheorie nach Luhmann ist die Ausgangsthese gesellschaftlicher Evolution , welche den Dreiklang der segmentären über die stratifikatorische hin zur funktionalen Gesellschaftsdifferenzierung beinhaltet. Nicht zu verwechseln mit notgedrungen „feineren“ geschichtswissenschaftlichen Kategorien wie etwa jener der „Ständegesellschaft“ etc., sollen mittels dieses Dreiklangs grundlegende Schritte im menschheitsgeschichtlichen Wandel von Gesellschaftsstrukturen analysiert und demonstriert werden. Am Anfang stehen die Stammesgesellschaften, die Luhmann als Form einer segmentären Differenzierung übersetzt (vgl. Luhmann 2000: 413): Die einzelnen Stämme bilden dabei gesellschaftliche Segmente, die durch ein noch deutlich geringeres Ausmaß an Arbeitsteilung gekennzeichnet sind und in denen die Position des Häuptlings die spätere politische Funktion des Herstellens kollektiv bindender Entscheidungen übernimmt. Als evolutionären Schritt hin zur nächsten F...

Achtsamkeit als Lebensprinzip

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  Ein Weg zu mehr körperlicher und mentaler Gesundheit Vor kurzer Zeit musste ich es mal wieder selber lernen. Absurderweise, kurz nachdem ich ein Weiterbildungsseminar gegeben hatte, bei dem es auch um die Wahrung der eigenen psychischen und physischen Gesundheit ging und nachdem ich ein weiteres zur Psychohygiene und Burnout-Prophylaxe vorbereitet hatte, lag ich abends nach einer langen Zugfahrt mit Migräne flach. Selbst die, die immer zu solchen Themen predigen, sind nicht davor gefeit, alte Fehler zu wiederholen. Was kann man aus so etwas mitnehmen und lernen? Achtsamkeit für Körpersignale Sinn macht es immer, achtsam mit seinem Körper umzugehen. In manchen Lebenssituationen ist es jedoch geradezu unausweichlich. Wer beispielsweise eine Behinderung oder eine chronische Krankheit hat, wer spirituell und ganzheitlich lebt, auch wer achtsamkeitsschärfende fernöstliche Disziplinen wie Yoga, Tai Chi oder Kung Fu betreibt, sollte frühzeitig lernen, auf seinen Körper zu hören, wenn er...

Bürgerräte – Eine Chance für die Demokratie?

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Über das Für und Wider einer Idee Der Ausbau und die Erweiterung des bundesrepublikanischen repräsentativ- und parlamentarisch-demokratischen Systems durch direkt-demokratische Elemente ist seit Jahrzehnten eine ständig wiederkehrende Frage, die von den Altparteien besonders in Wahlkämpfen thematisiert und danach wieder ganz schnell vergessen, allenfalls in der (Schein-)Oppositionsrolle mal eingebracht wird. Die AfD hat, auch inspiriert durch ihre österreichische Schwesterpartei FPÖ, die Forderung nach mehr direkter Demokratie schon seit jeher im Programm. Die Altparteien wiederum wissen seit jeher, dass eine Realisierung dieser Forderung ihrer Linie letztlich zuwiderliefe, da bei direkt-demokratischen Entscheidungen nicht selten der gesunde konservative Menschenverstand zum Durchbruch kommt. Dennoch wird die Forderung nach mehr Demokratie schlagzeilenträchtig immer wieder auch von klassisch-linken Gruppierungen erhoben. Immer häufiger, auch von grüner Seite, wird indes das Modell der...

Zivilgesellschaft von rechts

Gründet Vereine, startet Initiativen und Projekte! Die Zivilgesellschaft ist in aller Munde. Sie steht dabei im allgemeinen linksliberalen Narrativ zumeist für etwas Gutes: „Zivil“ klingt eben nicht nur nach dem Gegenteil von „militärisch“ oder „uniformiert“, sondern es steht vor allem auch für etwas, was vom Bürger, also von „unten“ kommt und nicht hierarchisch aufoktroyiert ist. Im linken Weltbild sind derlei „Graswurzel“-Elemente zunächst zu bejahen und zu feiern – erst wenn man dann merkt, dass gerade vieles, was von unten und eben nicht von Staat, Wirtschaft, Medien und Eliten kommt, eher rechts ist, muss man schnell umsteuern. So ist denn auch die von linker Seite zelebrierte sogenannte „Zivilgesellschaft“ eher etwas, was ohne Staat und staatliche bzw. kommunale Zuschüsse kaum eigenständig überleben könnte. Prominentestes Beispiel ist hier das in konservativen Kreisen inzwischen schon berühmt-berüchtigte Programm „Demokratie leben!“, mit dem vom Bundesministerium für Familie, Sen...